Einfach nur da sein

Über die Kunst, die Langeweile aushalten zu können …

Durch Ablenkung verstellen wir uns den Blick auf das wahre Leben. Technik und Geselligkeit ermöglichen es uns, dass wir uns in jedem Augenblick unterhalten fühlen. Doch ist es das, wofür wir leben wollen?
Lass die Einsamkeit zu, die Langeweile, die Leere. Nur in den leeren Momenten fühlen wir, was Leben heißt: einfach da sein, anwesend sein, atmen. Existieren.

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Das Gesetz der reinen Möglichkeit

Was sind wir eigentlich? Was macht uns aus? Was sind wir in unserem innersten Wesen, wenn alles andere – Alter, Geschlecht, Rasse, Nationalität, Familie, Erziehung, Erfahrungen, Vorlieben … – weggefallen ist? Wenn wir nicht das sind, was wir denken und fühlen, was bleibt dann noch?IMG_0023

Die reine Bewusstheit, die bloße Achtsamkeit. in unserem tiefsten Inneren sind und bleiben wir immer dieses nackte Sich-bewusst-sein. Und in diesem Bereich sind wir wirklich frei, denn in ihm liegt jede Möglichkeit unseres Lebens begründet. Aus der reinen Aufmerksamkeit heraus entspringt alles Wissen, alle Fühlen, jegliche Intuition – sie ist die Stille, die allen Formen erst zu ihrem Dasein verhilft.

Dieses stille Gegenwärtigkeit ist etwas in uns, was nicht beeinflusst ist von äußerem Geschehen. Es ist immer da, unterliegt allen Regungen in uns und allen Handlungen, die wir vornehmen, während es selber aber nicht von diesen Regungen und Handlungen verändert wird. Die Regungen, Gefühle und Gedanken, sind es, die unsere Individualität ausmachen. Woran wir uns erinnert können und was wir uns wünschen, das bildet den Kern unseres Ego – doch das ist wiederum nur eine Rolle, eine soziale Maske, die wir an- und ausziehen können. Manchmal haben wir diese Erinnerungen, manchmal jene, je nach Situation wünschen wir uns unterschiedliche Dinge, wir handeln und sprechen verschieden je nach den Umständen. Dieses Ego ist es, was uns vergessen lässt, dass wir in unserem Inneren eigentlich bloße Aufmerksamkeit sind. Das Ego ist unersättlich, es braucht stets Bestätigung von außen und es will die Kontrolle behalten. Dabei hat es nur Angst, all dies zu verlieren, und deshalb ist all sein Handeln darauf bestrebt, noch größere Macht zu erlangen.

Doch das ist nicht unser wahres Selbst. Wenn wir uns für einen Moment von unserem Ego befreien, merken wir, dass wir eigentlich ohne Angst sind. Unsere Seele braucht diese Bestätigung durch Erfolge, Befriedigung oder Zuspruch nicht – sie ist immun gegen Kritik und hat keine Angst vor Herausforderungen. Wir können das manchmal erfahren, wenn wir die Stille in uns vergrößern, ihr Raum geben. In Distanz zum alltäglichen Stress, zum Geplauder der Gedanken, zu den Anforderungen und Erwartungen, die man erfüllen zu müssen glaubt, können wir eine Stille erleben, die uns Zugang zu unserem wahren, furchtlosen Selbst verspricht. In dieser Stille – die wir körperlich und geistig erfahren – müssen wir nichts erledigen, wir müssen nur achtsam auf den Moment sein, bloß da sein.

In kleinen Momenten können wir im Alltag immer wieder versuchen, zu dieser Stille, zu dem Raum der reinen Möglichkeiten, Zugang zu erhalten. Am besten üben wir es, wenn wir uns bewusst zurückziehen, in die Natur, in die Betrachtung des Himmel, in das Hören eines Tons, in das Riechen einer Blume. Von diesem Punkt innerer Seelenstille heraus können wir lernen, auch die alltäglichen Aktivitäten um uns herum zu beobachten, ohne sie zu bewerten. Wenn wir davon absehen, alles immer zu bewerten, können wir die Freiheit und die Möglichkeiten um uns herum vermehren. Die Urteile, die wir routinemäßig von uns geben und mit der wir die Welt in Gut und Böse (für uns angenehm oder unangenehm) einteilen, hindern uns oft nur daran, die Welt so wahrzunehmen, wie sie wirklich ist. Erst dann, wenn wir uns das erlauben, können wir schließlich lernen, uns selbst zu akzeptieren.