Glücklich sein trotz Sinnlosigkeit? Schopenhauers Lebensweiheiten

Was kann uns Arthur Schopenhauer heute noch sagen? Wo für ihn das Leben doch eh sinnlos und Glück für den Menschen unerreichbar war …
Trotzdem gibt er in seinen „Aphorismen zur Lebensweisheiten“ einige praktische Tipps, worauf wir achten sollten, wenn wir Momente der Zufriedenheit erleben wollen.

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DIE GROSSEN WEISHEITEN – PL #2: Schopenhauers “Aphorismen zur Lebensweisheit“

schopenhauerWie können wir trotz der Sinnlosigkeit des Lebens trotzdem einigermassen glücklich werden? Arthur Schopenhauers „Aphorismen zur Lebensweisheit“, erschienen 1851, geben Antworten.

Die besten Einsichten dieses philosophischen Klassikers werden hier übersichtlich und verständlich erläutert: 

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PL #2 – SCHOPENHAUER:

„Aphorismen zur Lebensweisheit“

 

Wie die Philosophie Ihr Leben verändern kann … 

Die großen Weisheiten aus über 2500 Jahren Geistesgeschichte – verständlich dargestellt und zusammengefasst. Von den antiken Denkern, asiatischen Weisheitslehrern und berühmten Philosophen der Neuzeit bis zur Positiven Psychologie und den Beststellern der Lebenskunst von heute.

Ob als 5-seitiges PDF, als Video, als Podcast oder eBook – die Weisheit der Welt stets in der Nähe.

 

Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit (Teil 3): Das Glück der Einsamkeit

Die Feinde des Glücks

Es klingt so einfach. Warum sind wir aber trotzdem so selten glücklich? Schmerz und Langeweile sorgen dafür, dass sich kein innerer Frieden dauerhaft einstellen will. Ironie des Schicksals: je weniger Schmerzen wir haben, desto gröSchopenhauer_Portrait_by_Ludwig_Sigismund_Ruhl_1815ßer wird die Langeweile – und umgekehrt. Jeder Mensch wird entweder stärker von Unruhe und Schmerzen heimgesucht oder stärker von Langeweile gequält.

Die wahre Ursache der Langeweile ist jedoch die innere Leere, die uns immer wieder nach Ablenkung durch äußere Reize dürsten lässt. Unsere Sucht nach Unterhaltung, Gesellschaft, Vergnügen und Luxus entstammt dieser inneren Leere. Wir können ihr nur den inneren Reichtum, einen Reichtum des Geistes, entgegenhalten.

Einsamkeit und Glück

Dieser Reichtum des Geistes zeigt sich darin, die Einsamkeit aushalten zu können. In der Einsamkeit kann der Mensch sich beweisen, was er an sich selbst hat: ob er abhängig von äußeren Reizen ist oder mit sich selbst und seinen Gedanken genug hat. Dies ist auch für den geistreichen Menschen der sichere Weg zum Glück:

Der geistreiche Mensch wird vor allem nach Schmerzlosigkeit, Ruhe und Muße streben, folglich ein stilles, bescheidenes, aber möglichst unangefochtenes Leben suchen und demgemäß die Zurückgezogenheit und sogar die Einsamkeit wählen.

Geselligkeit hingegen ist nur ein Zeichen von geistiger Armut und von Gewöhnlichkeit. Je mehr wir also an uns selbst genug haben, je besser wir die Einsamkeit und das Alleinsein aushalten können, desto sicherer wird uns das Glück sein. Wer wenig äußere Unterhaltung nötig hat und „die Quelle seiner Genüsse in sich selbst findet“, ist unabhängiger und damit glücklicher. Alle äußeren Quellen der Freude wie Reichtum, Ehre, Besitz, Freundschaft und auch Liebe, sind ja von anderen abhängig und damit unsicher und vergänglich.

Demnach ist eine vorzügliche, eine reiche Individualität und besonders sehr viel Geist zu haben ohne Zweifel das glücklichste Los auf Erden.

Diese zeigt sich allerdings in dem Maße, wie wir in der Lage sind, es allein mit uns selbst und unserer Gedanken auszuhalten: in einem stillen Kämmerlein ohne jegliche Ablenkung, ohne Gesellschaft, Fernsehen, Internet – ja sogar ohne Bücher!

Wer geistreich ist, wird von seiner Geisteskraft schon genug unterhalten – zudem ist diese Unterhaltung edler und beständiger. Diese Fähigkeit zur „Sensibilität“ besteht in Kontemplation und Meditation, im reinen Denken, im Empfinden und Dichten, im Erfinden und Philosophieren im Bilden und Musizieren … der Genuss, der in der Ausübung dieser Tätigkeiten liegt, verspricht das größte, weil beständigste und am häufigsten wiederkehrende Glück!

Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit (Teil 2) – Gesundheit und Glück

Für unser Glück zählt also vor allem das, was wir sind: unser Persönlichkeit. Denn nur sie liegt wirklich in unserer Macht, kann uns nicht genommen werden. Alles andere dagegen ist zweitrangig. Was das Schicksal für uns bereithält, zählt daher nur in zweiter Linie; was wirklich zählt, ist, wie wir darauf reagieren.

Weil es die Persaphorismen_zur_lebensweisheit-9783257236965_xxlönlichkeit ist, die für unser Glück ausschlaggebend ist, ist es auch wichtiger, gesund zu leben und sich selbst zu bilden, als sich um Besitz und Reichtümer zu kümmern. Die proportionale Zuordnung „Je reicher, desto glücklicher“ ist nämlich ein beliebter Trugschluss:

Großer Überfluss vermag wenig zu unserem Glück.

Statt für mehr Wohlbehagen zu führen, stören Besitz und Reichtum unser Glück nur durch die Sorgen, die mit ihnen einhergehen Die ständigen Fragen lassen wahre Gelassenheit gar nicht zu: Wie kann ich Besitz anhäufen? Wie vermeide ich, dass er mir geraubt wird? Welcher Konsum kann mich zufrieden stellen? Wie viel Konsum brauche ich? Wann ist genug?

Gar manchen daher sehn wir, in rastloser Geschäftigkeit, emsig wie die Ameise, vom Morgen bis zum Abend bemüht, den schon vorhandenen Reichtum zu vermehren. Über den engen Gesichtskreis des Bereichs der Mittel hiezu hinaus kennt er nichts: sein Geist ist leer, daher für alles andere unempfänglich.

Glücklicher wird derjenige, der sich stattdessen neben der Gesundheit und dem Erwerb des Nötigen darum kümmert, geistige Fähigkeiten auszubilden, die ihm echten, lang anhaltenden und unverfälschten Genuss erlauben.

Welche Fähigkeiten spielen für unser Glück die größte Rolle?

Ein edler Charakter, ein fähiger Kopf, ein glückliches Temperament, ein heiterer Sinn und ein wohlbeschaffener, völlig gesunder Leib – das sind die Eigenschaften, nach deren Erhaltung wir stets streben sollten.  Unter ihnen aber nimmt die Heiterkeit des Sinnes die wichtigste Stellung ein. Denn sie ist schon selber das Glück. Sie belohnt sich unmittelbar selbst, ohne Umwege. So kann sie auch am ehesten alle anderen Fähigkeiten und Glücksgaben ersetzen: ein fröhliches Gemüt ist zwar nicht alles, aber ohne es ist alles nichts.

Die Heiterkeit der Seele zu fördern ist also das Beste, was wir für unsere Glückseligkeit tun können. Und dafür ist nichts weniger wichtig als Geld und Besitz, und nichts wichtiger als die eigene Gesundheit. Nur wer gesund ist, kann auch wirklich heiter  sein und zufrieden mit seinem Leben. Und um dies zu erreichen, gibt es ganz praktische Tipps: Ausschweifungen vermeiden, heftige Gefühlsausbrüche ebenso wie zu große Denkanstrengungen, zwei Stunden Bewegung in frischer Luft pro Tag, kaltes Baden …

Unsere heutige sitzende Lebensweise sorgt am meisten dafür, dass wir unzufrieden sind und unsere Seelenzustand sich verschlechtert, denn wir erleben ein dauerndes Ungleichgewicht zwischen der Unruhe im Inneren und der äußerlichen Unbeweglichkeschopenhauer1it. Leben aber ist Bewegung, weiß schon Aristoteles, und daher ist nur durch sie körperliche Gesundheit und mit ihr das menschliche Glück zu erreichen. Klingt einfach …

Hieraus aber folgt, dass die größte aller Torheiten ist, seine Gesundheit aufzuopfern, für was es auch sei, für Erwerb, für Beförderung, für Gelehrsamkeit, für Ruhm, geschweige für Wollust und flüchtige Genüsse: vielmehr soll man ihr alles nachsetzen.

Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit

Bild

Arthur Schopenhauer

Eigentlich ist das Leben sinnlos. Dauerhaftes Glück ist nicht möglich, Schmerz und Leid sind ständige Begleiter und einen Zweck hat es auch nicht, da weder Dasein nach dem Tod noch ein gerechter Gott zu erwarten sind, was einem das Ausharren entlohnen würde.

So lautet zumindest das pessimistische Fazit Arthur Schopenhauers, dessen Philosophie das Nichtsein dem Sein vorzieht. Besser wäre es, män würde sein ganzes Wollen und Begehren ein für allemal abstellen. Leider kommt der Selbstmord dafür nicht in Frage, da dieser nicht den wahren Ausweg aus dem Kreislauf des Leidens bietet.

Will man sich aber auf Erden ein halbwegs glückliches Leben machen, so steht Schopenhauer mit Rat zur Seite …

 

Wenn wir im Leben glücklich sein wollen, dann ist es wichtig, zwischen drei Aspekten zu unterscheiden, die unseren Alltag bestimmen:

Was einer ist Was einer hat Was einer vorstellt
Kraft, Schönheit, Gesundheit, Temperament, moralischer Charakter, Intelligenz, Bildung … Geld und Güter was man in der Vorstellung anderer darstellt: Ruhm, Ehre, Rang …
PERSÖNLICHKEIT EIGENTUM UND BESITZ ANSEHEN

Die Persönlichkeit ist das, was in uns selbst ist, wohingegen alles andere nur äußerlich ist. Und das, was in uns ist, hat direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden – alles andere jedoch höchstens indirekt. Alles Äußerliche kann uns nur über einen Umweg glücklich oder unglücklich machen: nämlich über den des Inneren. Dinge wie Besitz oder das, was andere über uns sagen, müssen erst einmal unsere Vorstellungen und Gefühle beeinflussen, um überhaupt etwas mit unserem Glück zu tun haben zu können.

Natürlich ist es nicht vollkommen gleichgültig, was uns passiert: ob wir in einem wohlhabenden Land leben, ob wir gesund oder krank sind, ob ein guter Freund stirbt – all das kann unser Glück beeinflussen. Kann, muss aber nicht, weil es bloß die objektive Hälfte der Wirklichkeit darstellt. Die subjektive Hälfte aber bildet unser Bewusstsein, unseren Charakter. Dem kann niemand entfliehen und er ist ein erster Linie dafür verantwortlich, welches Leben wir führen und wie wir mit den Dingen des Schicksals umgehen.

Das Leben hält für den Menschen mehrere Arten von Genuss bereit: die sinnliche Lust, ein heiteres Familienleben, Geselligkeit, Unterhaltung, Bildung. Die höchsten Genüsse aber bietet dem Menschen nur der Geist. Alles zuvor genannte ist doch nur kurzzeitig und werden schnell schal. Die geistigen Genüsse, die des Denkens, aber sind lang anhaltend und vielfältig. Aber ob wir sie wirklich genießen können, hängt in erster Linie von unserem Charakter ab.