Glücklich sein trotz Sinnlosigkeit? Schopenhauers Lebensweiheiten

Was kann uns Arthur Schopenhauer heute noch sagen? Wo für ihn das Leben doch eh sinnlos und Glück für den Menschen unerreichbar war …
Trotzdem gibt er in seinen „Aphorismen zur Lebensweisheiten“ einige praktische Tipps, worauf wir achten sollten, wenn wir Momente der Zufriedenheit erleben wollen.

O-Naami – Das Leben ohne Stress

Jeder von uns hat die Pflicht, sein Leben so angenehm und erfüllt wie möglich zu gestalten.

John M. Perkins

Die entwickeltste Gesellschaft sollte wohl die sein, deren Mitglieder am effektivsten mit Stress umgehen, ja ihn sogar weitgehend vermeiden oder ins Positive wenden können. Unsere westlichen Gesellschaften scheinen da noch zu suchen, ein kollektives Wissen darum, mit welchen Mitteln sich Stress am besten bewältigen lässt, existiert nicht. Solche Mittel, Jahrtausende alt, gibt es, doch ihre Einübung wird nicht durchgängig in Schulen gelehrt oder von Eltern weitergegeben, und es bleibt dem Einzelnen überlassen herauszufinden, wie er oder sie mit den Widrigkeiten des Alltags umgehen soll.

Im Gegenteil, Stress und Zeitdruck wird noch als Zeichen des Erfolgs angesehen, und Burn-Out gilt als Modekrankheit, deren Opfern heimlich-neidvoll zugestanden wird, wenigstens für etwas gebrannt zu haben.

Die „fortgeschrittene“ westlichen Kultur hat die individuelle Sorge um sich selbst als ganzen Menschen, spirituell, geisonaamitig und körperlich, zugunsten des technischen Fortschritts und des materiellen Wohlstands vernachlässigt. In Gesellschaften in asiatischen und lateinamerikanischen Ländern dagegen ist der bewusste Umgang mit Stress ein fester Bestandteil des Alltags – wenn auch, dank Globalisierung und Kapitalismus, auch dort traditionelle Fähigkeiten zu verschwinden drohen.

Überall dort, wo sich ganzheitlichere Lebensauffassungen, nicht-materielle Weltbilder und nicht-mechanistische Menschenbilder gehalten haben, wo Religion und Spiritualität eine Rolle im Alltag spielen, kennen, lehren und pflegen die Menschen die Methoden, mit denen sie zu großen Stress verhindern. Der amerikanische Schriftsteller und Politaktivist John Perkins hat in seinem Buch O-Naami solche Methoden gesammelt und in fünf Lebensregeln zusammengefasst:

Grundlage der Stressbewältigung ist die Einsicht, dass alles, was uns tagtäglich widerfährt, einen Einfluss auf unseren Körper und Geist hat – meist unbewusst. Dieser Einfluss schlägt sich, wenn sich der Stress häuft, negativ auf den Körper nieder: die Muskeln verkrampfen, der Blutdruck steigt, die Atmung flach ab, wir bekommen Kopfschmerzen, Herzrasen, Schweißausbrüche, Rückenschmerzen und, wenn der Stress chronisch wird, zahlreiche Krankheiten, die mit unserem vegetativen Nervensystem zusammen hängen. Denn dieses autonome, also vom bewussten Willen unabhängige System, das Atmung, Herzschlag und Puls, Körpertemperatur, Schlaf- und Wachphasen und vieles mehr regelt, will uns durch seine Reaktionen davor schützen, dem Stress zu erliegen. Leider hören wir zu selten auf die Zeichen, die der Körper uns gibt, und übergehen Kopfschmerzen oder Müdigkeit, oder wir stellen sie mit Mittelchen äußerlich ruhig.

Der Schlüssel für einen gesunden Umgang mit dem täglichen Stress liegt nun in der Fähigkeit, das autonome Nervensystem zu kontrollieren. Wer seine körperlichen Reaktionen bewusst bestimmen kann, kann die beschriebenen Symptome gar nicht erst entstehen lassen.

Perkins Ratschläge, fünf Grundsätze für ein angenehmes und erfülltes Leben, erscheinen auffällig wenig körperorientiert; sie sind eher Regeln für die eigene innere Einstellung dem Leben gegenüber.

1. Seien Sie das, was Sie sein möchten. Hören Sie auf, zu versuchen, etwas zu werden, und seien Sie es stattdessen. Denken Sie an die Person in sich, die das verkörpert, was Sie am meisten schätzen. Seien Sie diese Person, so weit es ihnen möglich ist. Machen Sie dies zu einem ständigen Teil Ihres Lebens.

2. Wägen Sie Probleme gegenüber Lösungen ab. Begreifen Sie, dass nicht das Problem das Problem ist, sondern dass die fehlende Lösung das Problem ist. Erlauben Sie sich nicht, in Panik zu geraten oder negativ zu sein. Entscheiden Sie sich für eine Lösung und probieren Sie diese aus.

3. Konzentrieren Sie sich. Gewöhnen Upanishad_Quotes1Sie es sich an, sich zu konzentrieren und ihr Leben in verschiedene Bereiche zu untergliedern. Arbeiten Sie, wenn Sie bei Ihrer Arbeit sind. Aber wenn Sie nach Hause gehen, gehen Sie wirklich, und konzentrieren Sie sich auf Ihre Familie, Ihr Hobby oder was immer Sie tun wollen.

4. Glauben Sie an etwas. Glauben Sie an das, von dem Sie wissen, dass es für Sie richtig ist. Glauben Sie an eine Religion, an sich selbst, an eine Idee oder ein Ziel. Woran Sie glauben, ist nicht wichtig. Entscheidend ist, dass Sie an das glauben, was für Sie am wichtigsten ist. Öffnen Sie Ihr Herz, hören Sie ihm zu und führen Sie aus, was es Ihnen sagt.

5. Meditieren Sie. Meditation verbindet die anderen vier Bestandteile und verschafft Ihnen 10-15 Minuten regelmäßiger Entspannung. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie still sitzen, beten oder sich bewegen.

 

Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit (Teil 2) – Gesundheit und Glück

Für unser Glück zählt also vor allem das, was wir sind: unser Persönlichkeit. Denn nur sie liegt wirklich in unserer Macht, kann uns nicht genommen werden. Alles andere dagegen ist zweitrangig. Was das Schicksal für uns bereithält, zählt daher nur in zweiter Linie; was wirklich zählt, ist, wie wir darauf reagieren.

Weil es die Persaphorismen_zur_lebensweisheit-9783257236965_xxlönlichkeit ist, die für unser Glück ausschlaggebend ist, ist es auch wichtiger, gesund zu leben und sich selbst zu bilden, als sich um Besitz und Reichtümer zu kümmern. Die proportionale Zuordnung „Je reicher, desto glücklicher“ ist nämlich ein beliebter Trugschluss:

Großer Überfluss vermag wenig zu unserem Glück.

Statt für mehr Wohlbehagen zu führen, stören Besitz und Reichtum unser Glück nur durch die Sorgen, die mit ihnen einhergehen Die ständigen Fragen lassen wahre Gelassenheit gar nicht zu: Wie kann ich Besitz anhäufen? Wie vermeide ich, dass er mir geraubt wird? Welcher Konsum kann mich zufrieden stellen? Wie viel Konsum brauche ich? Wann ist genug?

Gar manchen daher sehn wir, in rastloser Geschäftigkeit, emsig wie die Ameise, vom Morgen bis zum Abend bemüht, den schon vorhandenen Reichtum zu vermehren. Über den engen Gesichtskreis des Bereichs der Mittel hiezu hinaus kennt er nichts: sein Geist ist leer, daher für alles andere unempfänglich.

Glücklicher wird derjenige, der sich stattdessen neben der Gesundheit und dem Erwerb des Nötigen darum kümmert, geistige Fähigkeiten auszubilden, die ihm echten, lang anhaltenden und unverfälschten Genuss erlauben.

Welche Fähigkeiten spielen für unser Glück die größte Rolle?

Ein edler Charakter, ein fähiger Kopf, ein glückliches Temperament, ein heiterer Sinn und ein wohlbeschaffener, völlig gesunder Leib – das sind die Eigenschaften, nach deren Erhaltung wir stets streben sollten.  Unter ihnen aber nimmt die Heiterkeit des Sinnes die wichtigste Stellung ein. Denn sie ist schon selber das Glück. Sie belohnt sich unmittelbar selbst, ohne Umwege. So kann sie auch am ehesten alle anderen Fähigkeiten und Glücksgaben ersetzen: ein fröhliches Gemüt ist zwar nicht alles, aber ohne es ist alles nichts.

Die Heiterkeit der Seele zu fördern ist also das Beste, was wir für unsere Glückseligkeit tun können. Und dafür ist nichts weniger wichtig als Geld und Besitz, und nichts wichtiger als die eigene Gesundheit. Nur wer gesund ist, kann auch wirklich heiter  sein und zufrieden mit seinem Leben. Und um dies zu erreichen, gibt es ganz praktische Tipps: Ausschweifungen vermeiden, heftige Gefühlsausbrüche ebenso wie zu große Denkanstrengungen, zwei Stunden Bewegung in frischer Luft pro Tag, kaltes Baden …

Unsere heutige sitzende Lebensweise sorgt am meisten dafür, dass wir unzufrieden sind und unsere Seelenzustand sich verschlechtert, denn wir erleben ein dauerndes Ungleichgewicht zwischen der Unruhe im Inneren und der äußerlichen Unbeweglichkeschopenhauer1it. Leben aber ist Bewegung, weiß schon Aristoteles, und daher ist nur durch sie körperliche Gesundheit und mit ihr das menschliche Glück zu erreichen. Klingt einfach …

Hieraus aber folgt, dass die größte aller Torheiten ist, seine Gesundheit aufzuopfern, für was es auch sei, für Erwerb, für Beförderung, für Gelehrsamkeit, für Ruhm, geschweige für Wollust und flüchtige Genüsse: vielmehr soll man ihr alles nachsetzen.