Das Gesetz von Ursache und Wirkung

Wir verdrängen es gerne, aber wie alles Verdrängte wird es uns irgendwann doch schmerzlich bewusst: Jede einzelne unserer Taten verursacht eine Energie, die früher oder später zu uns zurückfällt. „Wie du säst, so wirst du ernten“, heißt es bei Cicero, und der römische Philosoph drückt damit nichts anderes aus als das ewige Gesetz des Karmas, oder: das Gesetz von Ursache und WirkunToppledominosg. Das Ergebnis mag sich nicht sofort einstellen, wie bei dem aggressiven Autofahrer, der uns rechts überholt und eine Sekunde später gegen die Leitplanke knallt.

Es mag auch nicht immer eindeutig identifizierbar sein, vor allem nicht für Außenstehende – wissen wir doch von Menschen, die in diesem Leben offensichtlich keinerlei Strafe für ihre Taten erhalten, wäre sie auch noch so gerechtfertigt; und auch Dinge, die getan zu haben wir selber bereuen würden, wenn wir an unsere Vergangenheit dächten, scheinen sich manchmal sogar ausgezahlt zu haben. Tatsächlich aber geht es bei dem Gesetz des Karmas um eine Art Einfluss unserer Taten auf unsere Seele; einen Einfluss, den wir nur in uns selber fühlen können – über andere sollten wir daher auch nicht urteilen.

Ganz schön deprimierend. Wo ist der Ausweg, wenn alles, was getan wird, unweigerlich eine Reaktion auf den Plan ruft, die ihrerseits eine nächste Handlung verursacht und so weiter bis ins Unendliche? Welche Freiheit haben wir innerhalb dieses ewigen Kreislaufs des Karma-Gesetzes noch?

Im Gegenteil. Das Gesetz von Ursache und Wirkung ist, wenn wir es verstehen und in unseren Alltag integrieren, in der Lage, uns zu befreien. Alles, was wir jetzt sind, unser Charakter, unsere Fähigkeiten, unsere Art zu Reden, unsere Freunde, und alles, was wir heute tun, ist das Ergebnis von früheren Taten. Genauer gesagt, ist unser gegenwärtiges Leben das Ergebnis von Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit getroffen haben – ob bewusst oder unbewusst.

Freilich sind die meisten Entscheidungen in unserem Alltag unbewusst. Oft genug sind wir getrieben von Bedürfnissen und Begierden, von uns selbst nur wenig bekannten Vorlieben und Abneigungen, und bevor wir innehalten und nachdenken können, haben wir bereits auf diese ganz spezielle Weise gehandelt: Wir erwischen uns mit der Zigarette in der Hand, haben die Schokolade doch gegessen, haben etwas gekauft, wovon wir „eigentlich“ wussten, dass wir es „eigentlich“ nicht brauchen, haben unser Kind zu Unrecht beschimpft usw. Man sagt hinterher, das sei doch eigentlich keine Entscheidung gewesen, wir waren in dem Moment schließlich nicht ganz wir selbst. Aber auch diese unbewussten und halb bewussten Handlungen sind Entscheidungen, die wir Tag für Tag treffen, und auch dieser Mensch auf Auto-Pilot sind wir selbst.

Deswegen geht es beim Karma darum, die bewussten Entscheidungen im Vergleich zu den unbewussten zu vermehren. Dies gelingt nur, wenn wir uns immer wieder zu Bewusstsein rufen, dass, wann und wie wir handeln. Nichts anderes heißt es, sich das Gesetz von Ursache und Wirkung klar und zunutze zu machen. Durch die Achtsamkeit auf den Prozess der Entscheidung, auf den winzigen Moment, der jeder Handlung vorausgeht, können wir lernen, aus dem Reich der tausend Möglichkeiten, die wir eigentlich haben, die richtige auszuwählen.

Die richtige Entscheidung: Das wäre die, die Wirkungen hervorbringt, die für uns und die Menschen um uns herum positiv sind; die unser und der anderen Glück und Freude vermehren. Diese Wirkungen müssen nicht unmittelbar geschehen, sie müssen auch nicht sichtbar sein – aber sie werden eintreten, wenn wir uns unserer Handlungen bewusst sind. Wir können aber nur „richtig“ entscheiden, wenn wir achtsam, d. h. langsamer werden in unserem täglichen Handeln. Oft genug eilen wir durch den Tag, bestimmt von außen, von Vorurteilen und von oberflächlichen Neigungen. Indem wir in allem, was wir tun, in allem, wie wir denken, fühlen, atmen, essen, sprechen, Stille und Langsamkeit üben – immer wieder von Neuem -, lernen wir, das Gesetz von Ursache und Wirkung zu erkennen und das Karma für uns zu nutzen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s