O-Naami – Das Leben ohne Stress

Jeder von uns hat die Pflicht, sein Leben so angenehm und erfüllt wie möglich zu gestalten.

John M. Perkins

Die entwickeltste Gesellschaft sollte wohl die sein, deren Mitglieder am effektivsten mit Stress umgehen, ja ihn sogar weitgehend vermeiden oder ins Positive wenden können. Unsere westlichen Gesellschaften scheinen da noch zu suchen, ein kollektives Wissen darum, mit welchen Mitteln sich Stress am besten bewältigen lässt, existiert nicht. Solche Mittel, Jahrtausende alt, gibt es, doch ihre Einübung wird nicht durchgängig in Schulen gelehrt oder von Eltern weitergegeben, und es bleibt dem Einzelnen überlassen herauszufinden, wie er oder sie mit den Widrigkeiten des Alltags umgehen soll.

Im Gegenteil, Stress und Zeitdruck wird noch als Zeichen des Erfolgs angesehen, und Burn-Out gilt als Modekrankheit, deren Opfern heimlich-neidvoll zugestanden wird, wenigstens für etwas gebrannt zu haben.

Die „fortgeschrittene“ westlichen Kultur hat die individuelle Sorge um sich selbst als ganzen Menschen, spirituell, geisonaamitig und körperlich, zugunsten des technischen Fortschritts und des materiellen Wohlstands vernachlässigt. In Gesellschaften in asiatischen und lateinamerikanischen Ländern dagegen ist der bewusste Umgang mit Stress ein fester Bestandteil des Alltags – wenn auch, dank Globalisierung und Kapitalismus, auch dort traditionelle Fähigkeiten zu verschwinden drohen.

Überall dort, wo sich ganzheitlichere Lebensauffassungen, nicht-materielle Weltbilder und nicht-mechanistische Menschenbilder gehalten haben, wo Religion und Spiritualität eine Rolle im Alltag spielen, kennen, lehren und pflegen die Menschen die Methoden, mit denen sie zu großen Stress verhindern. Der amerikanische Schriftsteller und Politaktivist John Perkins hat in seinem Buch O-Naami solche Methoden gesammelt und in fünf Lebensregeln zusammengefasst:

Grundlage der Stressbewältigung ist die Einsicht, dass alles, was uns tagtäglich widerfährt, einen Einfluss auf unseren Körper und Geist hat – meist unbewusst. Dieser Einfluss schlägt sich, wenn sich der Stress häuft, negativ auf den Körper nieder: die Muskeln verkrampfen, der Blutdruck steigt, die Atmung flach ab, wir bekommen Kopfschmerzen, Herzrasen, Schweißausbrüche, Rückenschmerzen und, wenn der Stress chronisch wird, zahlreiche Krankheiten, die mit unserem vegetativen Nervensystem zusammen hängen. Denn dieses autonome, also vom bewussten Willen unabhängige System, das Atmung, Herzschlag und Puls, Körpertemperatur, Schlaf- und Wachphasen und vieles mehr regelt, will uns durch seine Reaktionen davor schützen, dem Stress zu erliegen. Leider hören wir zu selten auf die Zeichen, die der Körper uns gibt, und übergehen Kopfschmerzen oder Müdigkeit, oder wir stellen sie mit Mittelchen äußerlich ruhig.

Der Schlüssel für einen gesunden Umgang mit dem täglichen Stress liegt nun in der Fähigkeit, das autonome Nervensystem zu kontrollieren. Wer seine körperlichen Reaktionen bewusst bestimmen kann, kann die beschriebenen Symptome gar nicht erst entstehen lassen.

Perkins Ratschläge, fünf Grundsätze für ein angenehmes und erfülltes Leben, erscheinen auffällig wenig körperorientiert; sie sind eher Regeln für die eigene innere Einstellung dem Leben gegenüber.

1. Seien Sie das, was Sie sein möchten. Hören Sie auf, zu versuchen, etwas zu werden, und seien Sie es stattdessen. Denken Sie an die Person in sich, die das verkörpert, was Sie am meisten schätzen. Seien Sie diese Person, so weit es ihnen möglich ist. Machen Sie dies zu einem ständigen Teil Ihres Lebens.

2. Wägen Sie Probleme gegenüber Lösungen ab. Begreifen Sie, dass nicht das Problem das Problem ist, sondern dass die fehlende Lösung das Problem ist. Erlauben Sie sich nicht, in Panik zu geraten oder negativ zu sein. Entscheiden Sie sich für eine Lösung und probieren Sie diese aus.

3. Konzentrieren Sie sich. Gewöhnen Upanishad_Quotes1Sie es sich an, sich zu konzentrieren und ihr Leben in verschiedene Bereiche zu untergliedern. Arbeiten Sie, wenn Sie bei Ihrer Arbeit sind. Aber wenn Sie nach Hause gehen, gehen Sie wirklich, und konzentrieren Sie sich auf Ihre Familie, Ihr Hobby oder was immer Sie tun wollen.

4. Glauben Sie an etwas. Glauben Sie an das, von dem Sie wissen, dass es für Sie richtig ist. Glauben Sie an eine Religion, an sich selbst, an eine Idee oder ein Ziel. Woran Sie glauben, ist nicht wichtig. Entscheidend ist, dass Sie an das glauben, was für Sie am wichtigsten ist. Öffnen Sie Ihr Herz, hören Sie ihm zu und führen Sie aus, was es Ihnen sagt.

5. Meditieren Sie. Meditation verbindet die anderen vier Bestandteile und verschafft Ihnen 10-15 Minuten regelmäßiger Entspannung. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie still sitzen, beten oder sich bewegen.

 

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2 Gedanken zu “O-Naami – Das Leben ohne Stress

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