Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit (Teil 3): Das Glück der Einsamkeit

Die Feinde des Glücks

Es klingt so einfach. Warum sind wir aber trotzdem so selten glücklich? Schmerz und Langeweile sorgen dafür, dass sich kein innerer Frieden dauerhaft einstellen will. Ironie des Schicksals: je weniger Schmerzen wir haben, desto gröSchopenhauer_Portrait_by_Ludwig_Sigismund_Ruhl_1815ßer wird die Langeweile – und umgekehrt. Jeder Mensch wird entweder stärker von Unruhe und Schmerzen heimgesucht oder stärker von Langeweile gequält.

Die wahre Ursache der Langeweile ist jedoch die innere Leere, die uns immer wieder nach Ablenkung durch äußere Reize dürsten lässt. Unsere Sucht nach Unterhaltung, Gesellschaft, Vergnügen und Luxus entstammt dieser inneren Leere. Wir können ihr nur den inneren Reichtum, einen Reichtum des Geistes, entgegenhalten.

Einsamkeit und Glück

Dieser Reichtum des Geistes zeigt sich darin, die Einsamkeit aushalten zu können. In der Einsamkeit kann der Mensch sich beweisen, was er an sich selbst hat: ob er abhängig von äußeren Reizen ist oder mit sich selbst und seinen Gedanken genug hat. Dies ist auch für den geistreichen Menschen der sichere Weg zum Glück:

Der geistreiche Mensch wird vor allem nach Schmerzlosigkeit, Ruhe und Muße streben, folglich ein stilles, bescheidenes, aber möglichst unangefochtenes Leben suchen und demgemäß die Zurückgezogenheit und sogar die Einsamkeit wählen.

Geselligkeit hingegen ist nur ein Zeichen von geistiger Armut und von Gewöhnlichkeit. Je mehr wir also an uns selbst genug haben, je besser wir die Einsamkeit und das Alleinsein aushalten können, desto sicherer wird uns das Glück sein. Wer wenig äußere Unterhaltung nötig hat und „die Quelle seiner Genüsse in sich selbst findet“, ist unabhängiger und damit glücklicher. Alle äußeren Quellen der Freude wie Reichtum, Ehre, Besitz, Freundschaft und auch Liebe, sind ja von anderen abhängig und damit unsicher und vergänglich.

Demnach ist eine vorzügliche, eine reiche Individualität und besonders sehr viel Geist zu haben ohne Zweifel das glücklichste Los auf Erden.

Diese zeigt sich allerdings in dem Maße, wie wir in der Lage sind, es allein mit uns selbst und unserer Gedanken auszuhalten: in einem stillen Kämmerlein ohne jegliche Ablenkung, ohne Gesellschaft, Fernsehen, Internet – ja sogar ohne Bücher!

Wer geistreich ist, wird von seiner Geisteskraft schon genug unterhalten – zudem ist diese Unterhaltung edler und beständiger. Diese Fähigkeit zur „Sensibilität“ besteht in Kontemplation und Meditation, im reinen Denken, im Empfinden und Dichten, im Erfinden und Philosophieren im Bilden und Musizieren … der Genuss, der in der Ausübung dieser Tätigkeiten liegt, verspricht das größte, weil beständigste und am häufigsten wiederkehrende Glück!

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4 Gedanken zu “Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit (Teil 3): Das Glück der Einsamkeit

  1. Diesen Worten kann ich mich uneingeschränkt anschließen.
    In Gesellschaft und seelischer Verbindung mit einer Katze jedoch macht das Alleinsein doppelt so viel Spaß.

  2. Ich kann Schopenhauers Gedanken gut nachvollziehen. Allerdings macht er, meineserachtens aus der Not eine Tugend. Es ist nichts dagegen auszusetzen, wenn man Geselligkeit der Einsamkeit vorzieht, nur wenn es sich aufgrund bestimmter Umstände nicht ergibt, muss man sich das Positive aus der Einsamkeit ziehen, um nicht verrückt zu werden. Ideal wäre es sicher, wenn sich die Waage gleichmäßig hält, man die Stunden der Einsamkeit erfüllt nutzt und des geselligen Momente zu schätzen weiss…heutzutage ist es leider immer mehr so, das Menschen sich schon verloren fühlen, wenn sie nur 5 Minuten allein mit sich sind, weil sie einfach mit sich nichts mehr anzufangen wissen.

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