Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit (Teil 2) – Gesundheit und Glück

Für unser Glück zählt also vor allem das, was wir sind: unser Persönlichkeit. Denn nur sie liegt wirklich in unserer Macht, kann uns nicht genommen werden. Alles andere dagegen ist zweitrangig. Was das Schicksal für uns bereithält, zählt daher nur in zweiter Linie; was wirklich zählt, ist, wie wir darauf reagieren.

Weil es die Persaphorismen_zur_lebensweisheit-9783257236965_xxlönlichkeit ist, die für unser Glück ausschlaggebend ist, ist es auch wichtiger, gesund zu leben und sich selbst zu bilden, als sich um Besitz und Reichtümer zu kümmern. Die proportionale Zuordnung „Je reicher, desto glücklicher“ ist nämlich ein beliebter Trugschluss:

Großer Überfluss vermag wenig zu unserem Glück.

Statt für mehr Wohlbehagen zu führen, stören Besitz und Reichtum unser Glück nur durch die Sorgen, die mit ihnen einhergehen Die ständigen Fragen lassen wahre Gelassenheit gar nicht zu: Wie kann ich Besitz anhäufen? Wie vermeide ich, dass er mir geraubt wird? Welcher Konsum kann mich zufrieden stellen? Wie viel Konsum brauche ich? Wann ist genug?

Gar manchen daher sehn wir, in rastloser Geschäftigkeit, emsig wie die Ameise, vom Morgen bis zum Abend bemüht, den schon vorhandenen Reichtum zu vermehren. Über den engen Gesichtskreis des Bereichs der Mittel hiezu hinaus kennt er nichts: sein Geist ist leer, daher für alles andere unempfänglich.

Glücklicher wird derjenige, der sich stattdessen neben der Gesundheit und dem Erwerb des Nötigen darum kümmert, geistige Fähigkeiten auszubilden, die ihm echten, lang anhaltenden und unverfälschten Genuss erlauben.

Welche Fähigkeiten spielen für unser Glück die größte Rolle?

Ein edler Charakter, ein fähiger Kopf, ein glückliches Temperament, ein heiterer Sinn und ein wohlbeschaffener, völlig gesunder Leib – das sind die Eigenschaften, nach deren Erhaltung wir stets streben sollten.  Unter ihnen aber nimmt die Heiterkeit des Sinnes die wichtigste Stellung ein. Denn sie ist schon selber das Glück. Sie belohnt sich unmittelbar selbst, ohne Umwege. So kann sie auch am ehesten alle anderen Fähigkeiten und Glücksgaben ersetzen: ein fröhliches Gemüt ist zwar nicht alles, aber ohne es ist alles nichts.

Die Heiterkeit der Seele zu fördern ist also das Beste, was wir für unsere Glückseligkeit tun können. Und dafür ist nichts weniger wichtig als Geld und Besitz, und nichts wichtiger als die eigene Gesundheit. Nur wer gesund ist, kann auch wirklich heiter  sein und zufrieden mit seinem Leben. Und um dies zu erreichen, gibt es ganz praktische Tipps: Ausschweifungen vermeiden, heftige Gefühlsausbrüche ebenso wie zu große Denkanstrengungen, zwei Stunden Bewegung in frischer Luft pro Tag, kaltes Baden …

Unsere heutige sitzende Lebensweise sorgt am meisten dafür, dass wir unzufrieden sind und unsere Seelenzustand sich verschlechtert, denn wir erleben ein dauerndes Ungleichgewicht zwischen der Unruhe im Inneren und der äußerlichen Unbeweglichkeschopenhauer1it. Leben aber ist Bewegung, weiß schon Aristoteles, und daher ist nur durch sie körperliche Gesundheit und mit ihr das menschliche Glück zu erreichen. Klingt einfach …

Hieraus aber folgt, dass die größte aller Torheiten ist, seine Gesundheit aufzuopfern, für was es auch sei, für Erwerb, für Beförderung, für Gelehrsamkeit, für Ruhm, geschweige für Wollust und flüchtige Genüsse: vielmehr soll man ihr alles nachsetzen.

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