Epiktet: Das Handbüchlein der Moral

Eigentlich wollen wir alle doch nur glücklich sein. Wenigstens zufrieden mit uns und unserem Leben. Zumindest die meiste Zeit über. Aber irEpiktetgendwie kommt ständig irgendetwas dazwischen. Der Partner fürs Leben lässt auf sich warten, unser Berufswunsch lässt sich nicht verwirklichen, unsere Gesundheit lässt zu wünschen übrig – alles sehr lästig und eher hinderlich für unser Glück.

Normalerweise nehmen wir uns dann vor, noch härter an unseren Zielen zu arbeiten. Vielleicht setzen wir auch auf den Zufall oder sagen uns, die Zeit heile alle Wunden. Aber bald merken wir, dass wir mit unseren Wünschen und Träumen immer wieder gegen eine Wand rennen. Und selbst wenn sich mal ein Traum erfüllt, so sorgen wir uns ständig, er könnte uns wieder genommen werden. Das menschliche Leben scheint nicht für das Glück gemacht zusein!

Doch der antike Philosoph Epiktet  weiß einen Ausweg …


Angenehmes wollen wir haben, Unangenehmes wollen wir vermeiden. Wenn das nicht klappt, sind wir unglücklich. So einfach ist das. Wir müssen also dafür sorgen dass wir das bekommen, was uns angenehm ist, und dass wir dem aus dem Weg gehen, was wir ablehnen. Allerdings kann das nur dann dauerhaft funktionieren, wenn wir stets nur das wollen, was wir voll und ganz beeinflussen können: alles andere kann uns wieder genommen werden und wird uns in diesem Fall unglücklich machen. Es kommt also darauf an, unterscheiden zu lernen, was wir in unserem Leben beeinflussen können – und was nicht:

in unserer Macht steht:

  • was wir denken
  • was wir tun
  • was wir und wünschen und
  • was nicht

 nicht in unserer Macht steht:

  •  unser Körper: Aussehen, Zustand, Grundbedürfnisse …
  • unser äußerlicher Besitz: Haus, Auto, Geld …
  • was die Menschen über uns denken: Ruf, Ansehen, Ehre …

Wenn wir dies unterschieden haben, müssen wir es nun auf unsere Wünsche beziehen – wir müssen prüfen, ob das, was wir mögen, mit dem übereinstimmt, was in unserer Macht steht.

WAS LIEBST DU?

Doch meistens gehen wir relativ unbewusst durchs Leben, ohne uns wirklich im Klaren über unsere Vorlieben und Abneigungen und deren Gründe zu sein. Uns darüber bewusst sein, was wir lieben und was wir hassen, ist aber der Beginn davon unser Leben selber in die Hand zu nehmen. Wir müssen die Macht über unser Glück wieder erlangen – indem wir in uns sehen und uns kennen lernen. Erst dann können wir feststellen, ob wir tatsächlich das mögen, was wir voll und ganz beeinflussen können – ob wir also nicht Gefahr laufen, unser Herz an Dinge zu hängen, die vergänglich sind.

ES GEHT UM DEINE EINSTELLUNG

Wir gehen immer davon aus, dass es die Dinge sind, die Unglück oder Glück bereiten. Seltsamerweise aber bedeuten ein- und dieselbenDinge zwei verschiedenen Menschen jeweils etwas anderes. Der eine findet den Sommer gut, der andere mag ihn nicht. Es ist nicht der Sommer selbst, sondern die Vorstellung, die man von ihm hat, die unser Gefühl verursacht. Bei diesem Beispiel mag das leicht nachvollziehbar sein, aber was ist mit Dingen wie Armut oder Krankheit – das will doch keiner! Krankheit, sagt Epiktet , ist ein Unheil für den Körper, nicht aber für den freien Willen, wenn er es nicht selbst so wünscht. Wenn wir uns ein Bein brechen, dann ist nur unser Bein gebrochen, nicht aber unsere Seele. Wir müssen uns nicht schlecht fühlen deswegen – niemand zwingt uns. Selbst der Tod ist für manche kein erschreckendes Ereignis, Wenn sie nämlich sich damit abgefunden haben zu sterben oder der Meinung sind nun genug gelebt zu haben. Das sind natürlich extreme Beispiele, und hier werden sich die Meinungen über die Dinge bei den Menschen eher ähneln. Aber trotzdem: es bleiben eben nur Meinungen! Und diese liegen nicht in den Dingen selbst, sondern in uns. In Form von Einstellungen. Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen.

ÜBE GELASSENHEIT

Daher sind es nicht die Dinge selbst, sondern unsere Einstellung zu den Dingen, die uns Glück oder Unglück bereiten. Und diese Vorstellungen sind wiederum etwas, was wir in der Hand haben, wie auch immer die Umstände sein mögen. Das ist nun wirklich einmal etwas, was worauf wir stolz sein können: Wie wir mit unseren Umständen umgehen. Wir müssen immer wieder trainieren, uns nicht innerlich gegen das aufzulehnen, was nicht in unserer Macht steht. Die Umstände selber können wir zwar beeinflussen, aber letztlich können wir doch nicht voll und ganz bestimmen, was geschieht. Unwägbarkeiten gibt es immer. Aber die Art und Weise, wie wir auf das reagieren, was uns in unserem Leben begegnet, die können wir bestimmen. Und die macht unseren Charakter aus und entscheidet darüber, ob wir glücklich sind oder nicht. Denn der glückliche Charakter ist der, der unterscheiden kann zwischen dem Notwendigen und dem Veränderbaren und daher bei allem gelassen und ruhig bleibt. Dies können wir entweder weise oder unweise tun.

Die Wahl liegt ganz bei uns. So können wir zum Beispiel wählen, wie wir mit Verlust umgehen. Wenn wir das, was wir verloren haben, als etwas betrachten, was wir zurückgegeben haben, dann wird uns ihr Verlust nicht so stark schmerzen. Wir sind ohne Besitz auf die Welt gekommen, wir haben etwas geschenkt bekommen, und es wurde uns dann wieder genommen … na und? Zwar fühlen die wenigsten ihrem Leben gegenüber so leidenschaftslos, und doch kann man eine solche Einstellung erlernen.

Wir können wählen, weise zu sein und weise zu handeln. Auch der Umgang mit dem, was wir besitzen, kann weise und philosophisch sein. Wir dürfen uns nur nicht zu viel aus unserem Besitz machen. Denn was wir besitzen, besitzt irgendwann uns – über die Sorge, die wir uns um unsere Besitztümer machen müssen: es darf nicht kaputt gehen, es darf nicht gestohlen werden, es muss gut versichert sein, es muss seinen Wert behalten, andere müssen es sehen können, wir brauchen einen geeigneten Raum dafür usw.

Begnüge dich mit dem, was geschieht, und dein Leben wird glücklich sein. Epiktet

Video Podcast über Epiktet

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Ein Kommentar

  1. Sinnvolle Philosophie erfüllt einen kollektiven Zweck und wirft indirekten Profit ab – sie kann alle Menschen lebensgestalterisch bereichern. Philosophie ist nur die „Königin“ der Wissenschaften, wenn sie sich wissenschaftsintegral und erkenntnisstandgemäß um eine rationale sinnvolle nachhaltig lebensförderliche Lebens-Ethhik bemüht, welche das natürliche, genetisch und gen-ethisch natürlich programmatisch determinierte antiebsdynamische Sollen und deren leidvollen Folgen zu entschärfen sucht.
    Ohne das globale Primat der Philosophie und deren Ethik ist
    m. . E . die Welt nicht mehr zu retten!

    Alles antriebsdynamisch nachvollziehbar* und heute – sich als Teil des Ganzen verstehend – seine erkenntnisstandgerecht* vernünftig reflektierten lebenschädlichen Antriebskräfte* moralisch zu entschärfen

    Mehr dazu im Internet unter: > klaus roggendorf + – * <

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