Die Kraft der Stille

Oft haben wir Angst vor der Stille, weil sie uns nur Leere und Langeweile bringt. Unser Geist ist wie ein Affe, der ständig unterhalten werden will. Wenn uns Stille droht, bekommt er es mit der Angst zu tun und flüchtet sich in tausend kleine Beschäftigungen – Internet, Fernsehen, Handy, mit anderen reden, lesen. Wenn wir trotzdem einmal  gezwungen sind, Stille zu erleben, fühlen wir uns wie im Leerlauf, unproduktiv und gelangweilt. Und so füllen wir unser Leben nach und nach mit Chaos, Lärm und Unordnung und merken gar nicht, welche Wirkung diese Einstellung auf unsere innereDie Kraft der Stille Ruhe und Gelassenheit hat.

Aber Stille kann auch schön sein, wenn wir nur zulassen, sie wirklich zu erleben.

Stille, Schweigen, Ruhe, Nichtstun können Heilmittel gegen Stress und Überforderung sein – gegen das ständige Gefühl, irgendetwas zu verpassen.

Aber wie lassen wir die Stille in unserem Leben zu, sodass sie uns keine Angst mehr macht? Wie lernen wir, nicht in sinnlose Beschäftigung zu fliehen, nur um uns nicht selbst begegnen zu müssen?

Im Grunde ist um uns herum niemals wirkliche Stille. Wenn wir einmal hinhören, werden wir sogar im leisesten Raum immer noch Geräusche und Klänge vernehmen – und sei es der des Blutes in unserem eigenen Ohr. Aber diese Geräusche sind es nicht, die die Stille vertreiben. Wir müssen die Stille in uns kultivieren, wie edle Pflanzen in einem Garten, die nur wachsen und blühen, wenn die notwendigen Bedingungen gegeben sind. Im Gegensatz zum Unkraut des Beschäftigtseins und des Lärms wächst und blüht die Stille nur, wenn man ihr den Raum dazu gibt.

Die Stille in uns ist einfach zu erreichen – einfach, aber nicht leicht. Der Weg zu ihr ist die Reduktion: Wenn ich etwas aus meinem Leben reduziere, das die Stille bisher unmöglich gemacht hat, dann wird sie nach und nach größer und stärker werden und die schönste Blüte im Garten meines Geistes werden.

Experimentieren wir also damit, etwas Unkraut aus dem verwilderten Garten herauszuziehen: leben wir eine Zeitlang ohne Handy. Einen Tag ohne Fernsehen. Eine Woche ohne Nachrichten. Einen Monat ohne Status-Updates. Eine Weile, wo wir unseren Internetzugang restringieren (there are add-ons for that).

Und wenn die Stille dann kommt und uns mit ihrer Langeweile und Leere überwältigen will, sodass wir das Verlangen verspüren, wieder etwas anderes in unser Leben hineinzuziehen: atmen wir, konzentrieren wir uns auf das, was geschieht, und warten einfach einmal ab. Es ist doch nur für eine gewisse Zeit. Einen halben Tag oder eine Woche. Wetten wir mit uns selbst, ob wir stärker sein können als unser Affengeist.

Dann erkennen wir, dass wir stärker sind, als wir gedacht haben.

Dass ein leerer Raum uns oft mehr geben kann als ein überfüllter.

Dass ein Zengarten schöner ist als ein Kaufhaus.

Und schließlich, wenn wir gewartet haben und achtsam darauf waren, was mit uns passiert, werden wir merken, dass wir innerlich wachsen. Dass unser höheres Selbst die Leere und den Raum, die wir ihm gelassen haben, mit innerer Stärke, Ruhe und Gelassenheit füllt.

Dann erkennen wir, dass Schweigen und Stille schön sind.

Advertisements

3 Kommentare

  1. „Wir müssen die Stille in uns kultivieren, wie edle Pflanzen in einem Garten, die nur wachsen und blühen, wenn die notwendigen Bedingungen gegeben sind.“ Ist schön gesagt.

    Ps: Wenn man ruhig wird, ist jeder Ort ein Zen Garten, bzw. den schleppt man im Prinzip mobil mit sich heruzm. Ins Kaufhaus, zur Uni, zum Sport. Der Ort wird irrelevant. Möglicherweise eine Erklärung für den Kung Fu Meister, der mich schwer Beeindruckt hat:In den Bergen auf einer schmalen Mauer am Abgrund eine Kata üben, während es einen Fußbreit weiter rechts mind. 2000 Meter weit runter geht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s